»never mind the running system«

Dienstag, 07. November 2006 | 20 Uhr »BILDER

Magazin-Release

»never mind the running system«

Nun mit der zweiten Ausgabe des Magazins "Kultur & Gespenster".
Inhalt des Dossiers: "Unter vier Augen. Das Interview als Form".

"Kultur & Gespenster" ist durchaus ein kritisches Portfolio für die Badewanne. Wir widersprechen den in der FAZ gegen uns geltend gemachten Bedenken, das Magazin wäre nichts "für Rotweinabende, den Badewannenrand im Rücken". "Kultur & Gespenster" ist nicht nur etwas für die Wanne, sondern viel mehr noch, eine ganze Straße gottverdammter Schaumbäder. Wir bleiben weiterhin allen unseren Lesern gewogen, die besonders gerne auch außerhalb des Badezimmers lesen. Wer den Begriff "Worttasche" im Magazin findet, gewinnt einen kleinen Sportbeutel für Akademiker (handgestopft vom Modelabel "Bernhard & Bianca", der Rechtsweg ist ausgeschlossen), in diesen lassen sich die allfälligen und nicht zu vermeidenden Abgründe und Risse sicher, trocken, lichtecht verstauen.

"Kultur & Gespenster" widmet sich in der zweiten Ausgabe Gesprächen und Interviews. Das wieder heiß geliebte, so genannte "Authentische" gilt es zu analysieren. Die Ergebnisse des Dossiers lassen sich flott auf jeder Stehparty verwenden: Es geht im Interview um die Kunst, mit jemand anderem sprechen als mit der Mutter, ein Umstand der an die älteste Hermeneutik anschließt, die aus dem Schrecken über die Veränderlichkeit des Muttergesichts entspringt, außerdem geht es natürlich, besonders bei Partys, darum, die lebendige Rede als authentisches Medium der Vielfalt zu verteidigen. Wo wir gerade bei authentischen Medien sind, lässt sich noch erwähnen, dass wir eine Klatschsparte erfunden haben. Wir tauften sie, wiederum mit freundlicher Hilfe Hegels, auf den Namen: "Das geistige Tierreich und der Betrug oder die Sache selbst". Robert Neumann macht hier den Auftakt zu einer fortgesetzten Beschäftigung mit Denunziation, Verleumdung und Invektiven aller Art. Wir sind sehr gespannt auf die einstweiligen Verfügungen und freuen uns in diesem Zusammenhang ganz besonders über die unproblematische Bereitstellung von Texten aus dem März-Verlag. Des Weiteren findet sich im Magazin eine farbige Bildstrecke des Malers Gernot Faber, ein Comic von Betie Pankoke, allerlei bedenkliche Einschätzungen zum Kunstgeschehen, die sich ums soziale Paternosterfahren genauso wie um Spannkraft und um bildende Kunst als Wissenschaftskaraoke drehen. In der Comic-Abteilung kommt man schließlich zum Ergebnis, dass sich Comics nur noch mit Nietzsche lesen lassen. Außerdem gibt es zahlreiche Rezensionen zu Literatur- und Kunstgeschehen.

Zur Releaseparty werden Stimmen und Bilder versammelt. "Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut. In allen Lüften hallt es wie Geschrei." Einen Audioguide gibt es aber nicht, um den traurigen Anblick monadenhaft aneinander vorbeiirrender Gäste mit Kopfhörern auf den Ohren zu vermeiden, auch Soundlampen haben wir nicht im Programm, genauso wenig wie Lesebrillen und Keilkissen.

Kultur & Gespenster, ISSN 1862-9866 erscheint vierteljährlich im Hamburger Textem-Verlag, 256 Seiten, 12 €

Kultur & Gespenster gibt's im Fachhandel und unter www.kulturgespenster.de